Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland 
Landesverband
Rheinland-Pfalz e.V.
Kreisgruppe Koblenz
Egbert
Bialk Boelkestr. 9a 56073 Koblenz
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Pressemitteilung, 19.8.2011
Kein weiterer Grünflächenverbrauch durch immer
mehr Neubaugebiete in Koblenz!
BUND fordert die Bauverwaltung wegen zurückgehender
Bevölkerung zum Innehalten auf, z.B. aktuell in Arenberg. Grünflächen
sind unverzichtbar für Aufenthaltsqualität und Klimaschutz. Landschaftsplan
und Flächennutzungsplan müssen in abgestimmtes Stadtentwicklungskonzept integriert
werden.
„Was macht unsere Stadt, die in den nächsten 20 Jahren um 5-10 000 Einwohner
schrumpfen wird, zur nachhaltigen Zukunftsvorsorge und Haushaltskonsolidierung?
Statt sich auf die neue demoskopische Situation einzustellen erschließt sie
Neubaugebiete auf (Hasten-)Teufel komm raus und riskiert dann auf leeren Grundstücken
sitzen zu bleiben. Diese Stadtentwicklungspolitik von gestern ist leider immer
noch Koblenzer Realität“, so Egbert Bialk vom BUND. „Im Übrigen werden
so Zug um Zug wertvolle Grüngebiete vernichtet, die wir für unsere geschundene
Flora und Fauna sowie den kleinräumigen Klimaschutz dringend brauchen.“
Was
die Umweltschützer nun schon zum wiederholten Male „auf die Palme“ bringt, sind
neuerliche Baupläne oder entsprechende Bestrebungen in vielen Koblenzer Stadtteilen.
Nach den umstrittenen, da ökologisch wertvollen Gebieten Moselweißer Hang und
südliches Güls, nach den bereits erschlossenen großen Baugebieten Asterstein
und Rauental und nach vielen Sündenfällen durch kleinere sog. „Lückenschlüsse
und Arrondierungen“, wie z.B. in Mittelweiden oder In der Höll/Moselweiß, scheint
jetzt Arenberg im Fokus der Bauinvestoren und der Bauverwaltung zu stehen. Aktuell
sollen dort bereits 24 Wohneinheiten „Ober den Höfen“ entstehen sowie einzelne
an der Weikertswiese. Das scheint der Stadt immer noch nicht genug. Bialk:
„Nach unseren Informationen will ein Investor auf einer Streuobstwiese mindestens
weitere 12 Wohneinheiten bauen und sich damit ein erstes Stück des großen Kuchens
‚Hannarsch‘ einverleiben. Und die Stadt scheint wieder mal gute Miene zu diesem
zukunftsfeindlichen Monopoly-Spiel zu machen.“
Dabei ist gerade im Stadtteil
Arenberg und auch im angrenzenden Immendorf und Niederberg ein kontinuierlicher
Einwohnerrückgang zu beobachten und laut aktueller Daten des städtischen Statistikamtes
sogar eine signifikante Überalterung. „Wer soll denn hier bauen? Rentner und
Innenstadtflüchtlinge? Hier gibt es fußläufig weder Einkaufs- noch Kultureinrichtungen.
Wollen wir noch mehr Autoverkehr und noch mehr Leerstand in deklassierten Kernbereichen?“
Ein Bedarf an weiteren Neubaugebieten bestehe bei rückläufiger Einwohnerzahl
weder hier noch sonst irgendwo in Koblenz. Die Bevölkerungsprognosen der Stadt
oder des Landes für 2030 gehen wegen gesunkener Geburten von einem Rückgang
von 107 000 auf etwa 101 000 bzw. bis auf 94 000 aus. Das müsse auch die Bau-
und Stadtplanungsabteilung sowie der Stadtrat endlich in ihrer Politik berücksichtigen,
so der BUND.
„Grünflächen wie die in Arenberg, Moselweiß oder Güls sind ein
unverzichtbarer Hort wertvoller Arten. Auch als Frischluftschneisen für die
überhitzte und weitgehend unbegrünte Innenstadt sind sie unbedingt zu schützen“,
stellt Carmen Parrado, Vorstandsmitglied des BUND und Vorsitzende des
Naturschutzbeirates Koblenz fest. Da Koblenz nicht einen einzigen Park besitze,
müsse wenigstens das umliegende Grün vollständig erhalten bleiben und nicht
Jahr für Jahr überbaut werden.
„Immer neuer Flächenverbrauch widerspricht
auch den Leitbildgedanken der Stadt Koblenz und der Politik des Landes Rheinland-Pfalz“,
so Stefan Schliebner, Mitglied des BUND Koblenz. „Im Leitbild heißt es:
'... klimawirksame Freiflächen möglichst von Bebauung freihalten … bei der Nutzung
von Boden, Luft, Wasser, Tieren und Pflanzen das Prinzip der Nachhaltigkeit
beachten'. Durch immer neue Baugebiete lassen sich diese Ziele nicht erreichen.
Auch der Nachhaltigkeitsbericht der Stadt Koblenz von 2005 spricht eine andere
Sprache, denn darin steht: 'Der demographische Wandel zieht eine Abnahme der
Bevölkerung nach sich und birgt die Chance der zunehmenden Flächenversiegelung
entgegen zu wirken'“, so Schliebner weiter – laut BUND „bisher wohl nur
Lippenbekenntnisse der Stadtpolitik.“
Grundsätzliche Kritik äußert der BUND an der in Koblenz „üblichen und verheerende“ Praxis der Investorenplanung". Die Stadt gebe regelmäßig zum Nachteil der Bevölkerung und der Stadt die Planungshoheit auf. Parrado: „Dies geschieht immer wieder mit den gleichen negativen Konsequenzen. Denn die Praxis zeigt, wie kürzlich in Mittelweiden, dass die Investoren gnadenlose Gewinnmaximierung betreiben und einen ganzen Altbaumbestand ohne mit der Wimper zu zucken platt machen. Diese gängige Praxis muss endlich gestoppt werden.“
Der BUND-Vorsitzende Werner Huffer-Kilian fordert darum die Stadt auf, alle unrealistischen Bauvorhaben wie die Moselweißer Bebauung oder die Arenberger Weikertswiese und den „Hannarsch“ aus den Flächennutzungsplänen zu entfernen und mit einem verbindlichen integrierten Landschaftsplan die verbliebenen Grünflächen zu sichern. Huffer-Kilian: „Die Stadtentwicklung muss sich an Zukunftsfähigkeit und Ökologie orientieren und damit an einer guten Aufenthaltsqualität für die Koblenzer Bürger von heute und morgen.“
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