Aus: Koblenzer Schängel vom 24.03.2004, mit freundlicher Abdruckgenehmigung des Verlages.
Von Otti Weber-Keul

Die Pfarrer-Kraus-Anlagen: Beten im Tempel der Natur

Seit rund 150 Jahren sind die "Heiligen Orte zu Arenberg" das Ziel zahlreicher Wallfahrer

Im "grünen Tempel der Natur" schuf Pfarrer Johann Baptist Kraus (1805 - 1893 die nach ihm benannten "Heiligen Orte" als Pilgerziel und Glaubenszeugnis der Menschen seiner Zeit. Aus der "wilden Einöde" (Kraus) zwischen den damals selbstständigen Gemeinden Arenberg und lmmendorf entstand ab 1845 nach Plänen und Ideen dieses genialen Seelsorgers nach und nach ein Parkgelände mit etwa 60 Kapellen, Grotten und Bildstöcken, das wir heute als "Landschafts-Bilderbibel" bezeichnen.



Schon 1852 wurden  die 14 Kreuzwegstationen zwischen den beiden Dörfern eingeweiht; ebenso die Marienkapelle, die nach Plänen des Stadtbaumeisters J. C. Lassaulx erbaut wurde. In dieser Kapelle finden wir das Herzstück der "Anlagen", eine holzgeschnitzte Pieta aus dem 18. Jahrhundert. Fast 60 Jahre hat Pfarrer Kraus unermüdlich geplant und gebaut und damit vielen Menschen zu Arbeit und Brot verholfen. Auf der  anderen Seite hat er Tausenden (er selbst erwähnt bis zu 70.000 Besucher jährlich!) eine "Reise ins Heilige Land" ermöglicht. Kraus suchte nach neuen Wegen der Verkündigung, um den "einfachen Leuten" seiner Zeit das Evangelium anschaulich zu machen, die Heilsgeschichte in Bildern zu erzählen. In Arenberg beginnt die "Heilig-Land-Reise" im Ölberggarten, führt auf kiesbestreuten Wegen an uralten Eichen, Buchen Linden und hohen Buchsbaumhecken über den Mariengarten zum Antoniusgarten. Der etwa 150 Jahre alte Mammutbaum ist wohl ein "Mitbringsel" des Gartenarchitekten Peter Josef Lenné (1789 -1866), der Kraus bei der Gestaltung der Parkanlagen beraten hat. In unmittelbarer Nähe zur Wallfahrtskirche erstreckt sich der Erlösergarten mit der schon erwähnten Marienkapelle. Einzigartig ist die Gestaltung der Innenräume sowohl der Kirche als auch der Kapellen und Bildstöcke. Auffällig ist die Vielfalt der verwendeten Materialien: Mehr als 40 verschiedene Gesteinsarten schmücken die Wände, große und kleine Muscheln aus a1len Weltmeeren umrahmen Bilder und Figuren, Bergkristalle, Achate, Opale und Amethyste künden noch heute von einem leidenschaftlichen Sammler und Naturliebhaber und ebenso von einem frommen, tiefgläubigen Romantiker, der dies alles schuf "zur Ehre Gottes". In der Wallfahrtskirche überraschen den Besucher großflächige Wandgemälde (Kreuzweg) der ehemaligen Düsseldorfer Malerschule, deren Direktor der aus Koblenz stammende Maler Peter Molitor war.   Die beiden Wandbilder im Altarraum stammen von Johann P. Lange. Die Maler Gustav (1809-1886) und Alexander Zick (1845-1907), Enkel und Urenkel des bekannten Koblenzers Januarius Zick (1730-1797) haben Teile der Kirche ausgemalt. Leider sind die Gemälde der Kommunionbank stark beschädigt worden, als diese der Kirchenrenovierung zum Opfer fiel. Ebenso sind die Deckengemälde der Grabkapelle nicht mehr vorhanden (aus Koblenzer Köpfe; Wolfgang Schütz).
Gut erhalten ist dagegen das nebenstehend abgebildete Gemälde "Sturm auf dem Meer" im Altarraum. Beim Bau von Kirche und Anlagen fand Kraus in der späteren Kaiserin Augusta (1811-1890), die zeitweise in Koblenz residierte, eine tatkräftige Helferin und zugleich Fürsprecherin bei den zahlreichen Fürstenhäusern des In- und Auslandes und bei zahlungskräftigen Kurgästen in Bad Ems.

Seit 1983 kümmert sich ein Förderkreis mit rund 100 Mitgliedern um den Erhalt dieses sehr kosten- und arbeitsintensiven Erbes. 1987 wurden Kirche und Anlagen zur Denkmalschutzzone erklärt. Damit ist dieses Glaubenszeugnis unserer Vorfahren der Obhut von Pfarrei, Bistum, Stadt und Land anvertraut. Sie alle haben in den letzten 20 Jahren erhebliche Mittel aufgebracht, um die vom Verfall bedrohten Wallfahrtsstätten zu restaurieren und zu erhalten. Es ist zu hoffen, dass sich immer wieder Menschen finden, die das Erbe unserer Vorfahren nicht gering achten, sondern dafür Sorge tragen, dass im Sinne ihres Erbauers das "Beten im Tempel der Natur" auch weiterhin möglich ist.