Die Wasserleitung zur Festung Ehrenbreitstein
die Wasserversorgung und Belagerung von 1795.
Unter
dem Kurfürsten Franz-Georg von Schönborn wurde die Festung (1733) ausgebaut
und die Wasserversorgung renoviert.
Ein Grundriß der Wasserleitung (Landes
Haupt Archiv Koblenz) aus dieser Zeit , der Festung Ehrenbreitstein
gibt als "Vestungs Haubt Brunnen" die Quelle in Arenberg an und lag
in der Eselsbach im Foto rot markiert. (Philipsbronn nach Kurfürst Philip
Christoph von Sötern). Der Riß von 1733 nennt daneben
drei weitere Brunnen so den Hospitalsbrunnen, den Hoff Küchelbrunnen und
den Haupt-Hof Brunnen. Das Wasser wurde mittels Rohren teils aus Kupfer
oder Ton zur Festung geleitet. Insgesamt wurden 32 542 Rohre für die Anlage
benötigt. Allein für die Wasserführung aus dem Philips Brunnen in der Eselsbach
zur Festung wurden 15 577 Rohre benötigt. Der Quelltopf war eingemauert
und zur Sicherung mit einer eisernen Türe versehen. Wegen der strategischen
Bedeutung, so ist zu vermuten, war der Quellbereich zur Tarnung mit Büschen
bepflanzt. Unter dem Punkt I nennt der Riß: Ist der hecht und forellen
weyer bey der wacht, mit doppleten röhren, ohne die im weiher zu rechnen...
Zumindest die Wasserqualität muss sehr gut gewesen sein, wenn sich Hecht
und Forelle auf der Festung wohlgefühlt haben. Auch die Lebensqualität
scheint zumindest in Friedenszeiten gestimmt zu haben. Die Rohrlänge ist
in "Schuh" angegeben, also etwa 25 cm, daraus ergibt sich eine
Gesamtlänge der Wasserleitung aus der Eselsbach von ca. 2,2 KM (Streckenweise
doppelt verlegt). Die Wasserleitung war selbstredend unterirdisch verlegt,
anderenfalls hätten Belagerer der Festung leichtes Spiel gehabt. Tatsächlich
ist die Festung nie durch Feindeshand eingenommen worden, sondern, wie
schon an anderer Stelle erwähnt, durch Verrat der Wasserversorgung zur
Aufgabe gezwungen worden. Weitere Infos zum Phillipsbrunnen finden Sie
in meinem Beitrag Grenzszeine.
Die letzte Belagerung der Festung Ehrenbreitstein
Während der ersten Blockade
von September bis Oktober 1795 durch die Franzosen, feuerten die Geschütze
des Ehrenbreitstein über 16 000, meist schwerkalibrige Geschosse
ab. Die Verteidigung war so nachhaltig, daß der Angriff auf die Festung
eingestellt und erst im Juni des folgenden Jahres wiederaufgenommen wurde.
Die erneute Belagerung beschränkte sich aber nur auf die Einschließung,
bei der nur wenige Kanonenschüsse gewechselt wurden. Der dritte Versuch
dauerte 10 Wochen (03.07.-17.09 1796). Die Festungsbesatzung 3537 Mann,
war die gleiche geblieben. Bei den Unterbrechungen der Belagerung war jedesmal
die Möglichkeit zur Ergänzung der Vorräte gegeben. Die Intensität der nun
folgenden Kämpfe spiegelt sich in den Verschußzahlen, aber auch in den
Verlustlisten wieder. Die Verteidiger verschossen weit über 40.000
Granaten aller Kaliber und über 150.000 Gewehr- und Musketenkugeln.
Die
Verluste der Verteidiger:
24 Tote (davon 1 Offizier)
96 Verwundete
(davon 2 Offiziere)
2 Gefangene
13 Vermißte
16 Desertierte
insgesamt
151 Mann
Die Franzosen verloren im gleichen Zeitraum 1300-1400
Mann.
Dem gesteckten Ziel, die Festung einzunehmen, waren sie um
nichts näher gekommen. Die vierte Blockade im April des nächsten Jahres
endete zunächst mit einem Waffenstillstand, weil die verbündeten Österreicher
ausschieden.
Eine im Jahr 1798 erfolgte Inventur im Zeughaus zeitigte
folgenden Bestand:
331 Geschütze größeren und kleineren Kalibers,
darunter der "Vogel Greif"
1278 Mauerbüchsen und Gewehre
2140
Flinten
6.264 Zentner Pulver und Minenpulver
123.000 Geschützkugeln
54.000
Handgranaten
67.000 Kartätschen
Die Besatzung wurde durch verbündete
Truppen verstärkt und bestand aus 22 Kompanien mit zusammen 2474
Mann inclusive 55 Offiziere. Der Ehrenbreitstein wurde noch
weitere 18 Monate gehalten. Dann war die Versorgung, nicht zuletzt durch
den Verrat der Wasserversorgung, hoffnungslos geworden. Am 27. Januar 1799
übergab Oberst von Faber die Festung an die Franzosen. Die Besatzung erhielt
einen"Ehrenvollen" Abzug mit Fahnen und Handwaffen.
Siehe
dazu auch den Beitrag des damaligen Pfarrers in Arenberg Anton Ludwig "In Memoriam posterorum" in dem er die
Leiden und Drangsale der Belagerung für die Nachgeborenen zur Erinnerung
und Mahnung festgehalten hat.
Quelle: Landeshauptarchiv Koblenz
Rüdiger Wischemann: Die Festung
Koblenz (Rhenania-Verlag Koblenz 1981 ISBN 3-922 755-00-3)
Konrad
Weber im April 2004